Liebesbriefe

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„Ich möchte Petting. Scherz! Ich bin erst 12″

„Ich möchte Petting. Scherz! Ich bin erst 12″

Trotz des Ausscheidens der deutschen Fußall-Nationalmannschaft war die Stimmung beim 74. Diary Slam blendend. Mit fünf LeserInnen wurde der Abend eine Hommage an gleich vier Jahrzehnte, die unterschiedlicher nicht sein konnten.

Den Anfang machte Kkoki, die in ihren Tagebüchern aus den frühen Zehnerjahren immer wieder Listen anlegte und sich einen Freund wünschte, der „hetero, spaßig, witzig, musikalisch, modebewusst und christlich“ ist.

Raphael führte uns ins Jahr 1990, in dem er Philosophie in Münster studierte. In seinen tiefgründigen Texten nahm uns der selbsternannte „Lausepelz“ mit in ein Café, in dem er „wie ein fauler Gymnasiast“ Buch um Buch verschlang.

Jiyan katapultierte das Publikum zurück in die Nullererjahre, als ihr der siebenjährige Ben Liebesbriefe schrieb, in denen er bereits wie ein Teenager klang: „Ohne dich ist die Welt nur schwarz und weiß.“

Sonja nahm uns mit ins Jahr 1988, wo ihre Geschichte rund um ihren Schwarm Olaf Fortsetzung fand und sie beim Ausgehen „besoffen sein“ spielten.

Zum Schluss kam Nadine auf die Bühne, deren Herz – fast auf den Tag genau vor 20 Jahren – von ihrem großen Schwarm gebrochen wurde. Doch kurz darauf schmiedete sie bereits Rachepläne: „Ich würde mich total umstylen lassen und dann würde mich M. voll süß finden, aber ich würde ihn dann abblitzen lassen.“

Kontrastreicher konnte das Stechen nicht ausfallen: Kkoki mit ihren erfrischend jugendlichen Texten und Raphael mit seinen philosophischen Betrachtungen eroberten die Herzen der Jury. Am Ende kürte das Publikum Kkoki zum „Diary Slam-Champion Juni“.

Was für ein versöhnlicher Abend!

Der nächste Diary Slam findet nach einer Sommerpause im Grünen Jäger am 29. August 2018 statt.

„Ich brauche Erfahrung, verdammt!“

„Ich brauche Erfahrung, verdammt!“

Beim 71. Diary Slam las zum Auftakt Bettina aus ihrem Traumtagebuch, voller mysteriöser Männer, Treppenstürzen und Pferden, die plötzlich unter ihrer Bettdecke lagen.
Jiyan vertraute ihrem Tagebuch an, sie wolle sich ein Tattoo stechen lassen. Zwar sei sie erst elf, „aber illegal geht es immer irgendwo“.
Mina zeigte, wie in den 90ern wahre Profi-Liebesbriefe begannen: „Na, alles fit im Schritt?“ Noch lieber schrieb sie nur ihrem Schwarm Kim Frank, dem Sänger von „Echt“: „Nur mit dir kann ich über Probleme reden.“
Sarah präsentierte sich als Pionierin der Blind Dates, die sie bereits 2002 in Chatrooms verabredete, sich meist jedoch als Enttäuschung entpuppten: „Er hat mich zugetextet mit irgendwas von Kohlenhydraten in Süßigkeiten. Scheiße, den muss ich abwimmeln!“
Im hochkarätigen Stechen zwischen Mina und Sarah – wie immer zauberhaft moderiert von Sven Onken – ging Sarah schließlich als „Diary Slam Champion März 2018“ nach Hause. Glückwunsch! Und dank an alle!

„Ich liebe dich auch heute am Dienstag“

„Ich liebe dich auch heute am Dienstag“

Wahnsinn! Vier Jahrzehnte Tagebuchaufzeichungen bescherte uns der 67. Diary Slam: Von 1970 bis in die 2000er Jahre lauschten wir fünf Leserinnen, davon vier Neulingen auf der Diary Slam-Bühne. Und wir können so viel verraten: Das Wort „GEIL“ scheint ein Kontinuum zu sein.

Den Auftakt machte Johanna mit ihrem Praktikumsbericht aus Paris, bei dem sie einen Rumänen kennen lernte, der Bücher an der Seine verkaufte und dessen Lieblingsdroge LSD war.

Yvonne las aus ihren Tagebüchern aus dem Jahr 2008, für das sie sich vorgenommen hatte: „Endlich selbstsicher werden.“ Doch während es mit ihrer Knirschschiene gut lief, konnte sie sich zwischen zwei Jungs einfach nicht entscheiden.

Sylwia las aus ihren Büchern zwischen 1988 und 1991. Mit 13 Jahren philosophierte sie: „Wenn ich so denke, denke ich, das nur ich klug bin.“ Sie betrauerte, dass ihr Tagebuch kein Mensch ist und sie wohl auch für immer ein trauriger Mensch bleibt.

Als viertes kam Vera auf die Bühne, die im Jahr 2006 ganz vernarrt in die „Twilight“-Bände war und dies flammend ihrem Tagebuch anvertraute. Sie wünschte sich „einen Freund, der mich auch ohne Hintertür liebt. Vielleicht ist es ja Tim!“

Nicht aus ihren Tagebüchern, sondern aus ihren Liebesbriefen (ja, das ist bei uns auch möglich!) las Feli vor. Sie entführte uns in eine Zeit, in der sie ihrem Liebsten, Uli, schonungslos ehrliche Zeilen schrieb. Nicht nur, als ein fremder Mann in einen Feldweg einbog und mit ihr ein Tête-à-Tête anfangen wollte, wohlwissend, dass beide vergeben waren.

Sylwia und Feli kamen in das Stechen und letztere konnte das Publikum mit Sätzen wie „Verzweifel‘ nicht an deiner Winzigkeit als Lebewesen“ am Ende für sich gewinnen. Ein Dank an den Grünen Jäger und unseren Moderator Sven Onken! Bis zum nächsten Mal!